Politiker gestehen öffentlich, sie hätten am Joint gezogen. George
Washington baute nachweislich Hanf an. Victor Hugo kiffte ebenso wie Freud
oder Friedrich Nietzsche. Und eine ganze Generation nahm sich Bob Marleys
Vorliebe für die Droge Hanf zum Vorbild. Mehr als bei allen anderen
Rauschdrogen scheiden sich die Geister, wenn es um Cannabis geht.
Erfreulicherweise ist eine gesamtgesellschaftliche Tendenz zu beobachten,
die den immer früheren Konsum im Jugendalter endlich ernsthaft wahrnimmt und
sich dagegen wendet. Denn leider rückte seit den 90er Jahren die erste
Erfahrung mit dem Konsum von so genannten ‚weichen’ Drogen immer näher an
das Alter heran, in dem die erste Zigarette geraucht wird. Viele 12- und
13-Jährige wissen inzwischen bedeutend besser als ihre Eltern Bescheid,
welche chemischen und ‚natürlichen’ Drogen wie konsumiert werden, und wo man
gesichert für Nachschub sorgen kann. Oftmals dauert es Monate, bis überhaupt
auffällt, dass das eigene Kind regelmäßig zu Drogen greift, weil sich die
Anzahl der Fehlstunden auf ganze Tage ausweitet, die geschwänzt werden, weil
die schulischen Leistungen rapide sinken oder das Interesse an der eigenen
Zukunft mit einem Schulterzucken abgetan wird. Vor diesem Hintergrund kann
Cannabis – ähnlich wie der Konsum von Alkohol und Nikotin – nur negativ
bewertet werden. Doch die Auseinandersetzung über das Thema Cannabis
ausschließlich auf die folgeschweren Auswirkungen in der
Persönlichkeitsentwicklung im Jugendalter zu reduzieren, wäre zu einseitig.
Was ist
Cannabis?
Hinter der Verwendung des Wortes ‚Cannabis’ verbergen sich verschiedene
Aspekte. Cannabis ist mehr als nur das Synonym für Droge, vielmehr ist es
ein Sammelbegriff, der je nach Blickwinkel die verschiedenen Bedeutungen der
Pflanze Hanf in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt.
Um
die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von Cannabis sativa – so der
wissenschaftliche Name der Hanfpflanze – wissen Menschen seit Jahrtausenden.
Bereits mehr als 4000 Jahre v. Chr. wurde Hanf in China als Nutzpflanze
angebaut. Als Grundlage für die Herstellung von Papier, Textilien und Seilen
war und ist die fasrige Pflanze sehr gut geeignet, da sich alle
Pflanzenteile verarbeiten lassen. Diese wirtschaftlichen Vorteile des
nachwachsenden Rohstoffs erleben gegenwärtig wieder eine Renaissance. Die
berühmte Gutenberg-Bibel wurde ebenso wie die amerikanische
Unabhängigkeitserklärung auf dem nahezu unverwüstlichen Hanfpapier gedruckt.
Selbst die ersten Jeans von Levis Strauß bestanden aus Hanf. Ihren Weg nach
Europa fand die Pflanze vor allem wegen der für die Schifffahrt benötigten
Seile und Segel. Ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Salzwasser machte ihre
Nutzung bedeutend attraktiver als Baumwolle. 
In
der Mitte des 20. Jahrhunderts verlor Hanf seine Bedeutung als Nutzpflanze
zu Gunsten synthetisch herstellbarer Fasern und geriet zunehmend in ihrer
Funktion als Rohstofflieferant für Haschisch und Marihuana in Verruf. Doch
Hanf wurde nie nur ausschließlich als Nutzpflanze verwandt. Auch die
psychoaktive Wirkung bestimmter Teile der weiblichen Hanfpflanze nutzt man
seit Jahrtausenden gezielt als Rauschmittel. Cannabis ist eine der ältesten
bekannten Drogen und neben Alkohol das am weitesten verbreitete Rauschmittel
überhaupt. Aus den getrockneten Blüten der weiblichen Pflanze gewinnt man
Marihuana (auch ‚Gras’ genannt), das im Gegensatz zum Haschisch
weniger des berauschenden Hauptwirkstoffs THC enthält und optisch in Form
und Farbe verstärkt an Gras erinnert. Als Haschisch bezeichnet man das
getrocknete Harz der Pflanze, das von den Drüsen der Blütenblätter geschabt
und zu Platten gepresst wird. Haschisch und Marihuana werden überwiegend
geraucht (umgangssprachlich: kiffen). Am bekanntesten ist der Joint, der aus
einem Gemisch von Tabak und Haschisch (oder Marihuana) besteht. Vor allem
Jugendliche verwenden die so genannte Bong (ein im Handel erhältliches
Gerät, bei dem der Rauch durch Wasser geleitet wird), um in möglichst kurzer
Zeit – und damit auf sehr schädigende Weise – die berauschende Wirkung zu
erzielen. Dieser ausschließlich auf die schnelle und massive Wirkung
orientierte Konsum ist jedoch nicht mit den sozialen Ritualen des Kiffens zu
vergleichen, die manche (westdeutsche) Elterngenerationen noch aus der
eigenen ‚Flower-Power-Zeit’ kennen.
Haschisch kann auch – dann meist als Zutat zu Kuchen oder Keksen – gegessen
oder als Beimengung z. B. von Tee oder Kakao getrunken werden. Der
gewünschte Effekt tritt beim Rauchen nahezu sofort ein und erreicht nach ca.
30 – 60 Minuten seine höchste Wirksamkeit und verschwindet nach 2 – 4
Stunden. Isst man Cannabis, so verzögert sich der Beginn der Wirkung, die
aber dann insgesamt länger dauert.
Wie wirkt
Cannabis?
Inzwischen ist eine Vielzahl von Substanzen bekannt, die eine nachweisbare
Wirkung auf den menschlichen Körper zeigen. Der Hauptwirkstoff dieser unter
dem Begriff ‚Cannabinoide’ zusammengefassten Substanzen ist das so genannte
THC (Delta 9-Tetrahydrocannabinol), das im Wesentlichen die Verantwortung
für den begehrten Rausch trägt, aber auch auf unterschiedliche Weise
medizinisch sinnvolle Resultate ermöglicht. 
Erst
in den 90iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewann man konkretere
Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen dem konsumierten THC und den
ausgelösten körpereigenen Reaktionen beim Menschen, die sich hauptsächlich
in den Immunzellen, dem peripheren Nervensystem und im Gehirn, dem
cannabinoiden System, abspielen. Dieses cannabinoide System beeinflusst
unter anderem die Funktionen des Gedächtnisses, der Schmerzverarbeitung und
Motorik, des Appetits, aber auch der Immunabwehr. Bei der Einnahme der
Cannabinoide kommt es zu einer von außen erzeugten Erregung dieses Systems,
das dann mit den entsprechenden psychischen und physischen Wirkungen
reagiert.
Cannabis löst je nach persönlicher Befindlichkeit sehr zeitnah eine
euphorische Stimmung – das so genannte ‚High’ – aus und wirkt entspannend,
appetitanregend und kommunikationsfördernd. Es kann zu leichten
Veränderungen in der optischen, akustischen und zeitlichen Wahrnehmung
kommen. Geschmack, Geruch, Töne und Farben erscheinen intensiver und
beeindruckender. Abhängig von der emotionalen Befindlichkeit und je nach
zugehörigen sozialen Rahmen und Situation regt der Konsum die
Selbstreflexion an. Bei hoher Dosierung und Dauerkonsum wirkt Cannabis als
Droge stark beruhigend und dämpfend.
Der
Körper reagiert im Augenblick des Konsums mit einem leicht erhöhten
Blutdruck und Pulsschlag. Gerötete Augen, erweiterte Pupillen und
Bewegungsauffälligkeiten sind optisch wahrnehmbare Folgen. Je nach Dosis und
Gewöhnung können aber auch Schwindelgefühle, Übelkeit, Reizhusten,
Mundtrockenheit und Kopfschmerzen auftreten.
Häufig wird von den Befürwortern unterschlagen, dass Cannabis sowohl in der
Langzeitwirkung als auch in der Situation der Einnahme erhebliche Störungen
im Kurzzeitgedächtnis auslöst und Konzentrationsvermögen und Denkleistung
negativ beeinträchtigt. Problematisch sind auch akut auftretende psychische
Folgen wie Angst, Depressionen, Panik oder Horrorvisionen. Bei Menschen mit
entsprechender Veranlagung kann die leichte halluzinogene Wirkung von
Cannabis eine Psychose auslösen bzw. verstärken.
Als
Medikament kann die appetitanregende Wirkung des THC in der Behandlung von
AIDS oder zur Linderung der Folgen von Chemotherapien genutzt werden. Als
mögliche Indikation für den Einsatz von Hanfmedikamenten werden auch
Epilepsie, Asthma oder Krämpfe bei Multipler Sklerose genannt. In geringen
Dosen wirkt das THC bei Schmerzen wie Migräne, Arthritis oder bei
Menstruationsschmerzen.
Folgeschwerer oder harmloser Genuss?
Vor
dem Hintergrund der zunehmenden Erkenntnisse über die medizinische Bedeutung
und Einsatzmöglichkeit von Cannabis einerseits und des stark zunehmenden
Konsums als Droge bei Jugendlichen andererseits gerät die Argumentation von
Pro und Kontra häufig destruktiv, da Befürworter oder Gegner jeweils nur das
Für oder das Wider in den Vordergrund stellen. Die Diskussion um die
Verwendung der Inhaltsstoffe von Cannabis als Arzneimittel wird dadurch
erschwert, dass es eben auch illegal als Droge genutzt wird und damit unter
das Betäubungsmittelgesetz fällt. Beim Für und Wider zum Thema
‚Legalisierung’ darf deshalb nicht außer acht gelassen werden, dass es
sowohl um die Zulassung als Medikament geht, als auch um die Forderung zur
generellen Legalisierung von Cannabisprodukten – dann jedoch auch zu
Rauschzwecken. Trotz der Tatsache, dass es bei vielen Dauerkonsumenten zu
einer psychischen Abhängigkeit kommt, ist THC nicht im eigentlichen Sinne
giftig und körperlich nicht Sucht auslösend, wie dies bei Heroin oder
Alkohol der Fall ist. Körperliche Entzugserscheinungen (nach Dauerkonsum)
sind vorübergehend auftretende Hyperaktivität und Schlafprobleme, da die
Sedierung fehlt.
Die
alarmierenden Gründe für das sinkende Einstiegsalter und das exzessive
Konsumverhalten bei Jugendlichen sind auf die leichte Verfügbarkeit
zurückzuführen – in größeren Städten gibt es kaum noch Schulen, an denen
nicht gedealt wird. Positive Erfahrungen beim Erstkonsum, kiffender
Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch die nachlassende soziale Kontrolle
und Kommunikation in den Familien und die langjährige gesellschaftliche
Toleranz gegenüber Joint und Haschisch führen zu exzessiven Konsummustern
unter Jugendlichen. Durch häufigen, regelmäßigen Gebrauch stellt sich eine
Antriebsminderung ein, die insgesamt die Leistungsbereitschaft reduziert und
die Frustrationstoleranz herabsetzt. In der wichtigen Phase der
Persönlichkeitsentwicklung – wie es das Jugendalter ist – kann Kiffen
gravierende psychische zur Folge haben. Insbesondere regelmäßiger
Cannabis-Konsum führt häufig zum sog. Amotivationssyndrom, d.h. zu
Motivationslosigkeit und Interessenverlust, Verweigerung von Leistung und
Verantwortungsübernahme. Die hieraus entstehenden Probleme werden dann
wiederum ‚weggekifft’, so dass sich Lebensperspektiven regelrecht ‚in Rauch’
auflösen.
Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass Cannabinoide bei gezielter
ärztlicher Indikationsstellung durchaus einen sinnvollen medizinischen
Einsatz finden könnten. Gleichzeitig müssen die Risiken von Cannabis als
Rauschmittel gesehen werden, vor allem mit den nicht seltenen dauerhaften
Veränderungen der Persönlichkeitsentwicklung und als Auslöser psychotischer
Störungen.
Vertiefende
und weiterführende Literatur
Schneider W, Buschkamp R, Follmann A (2000) Cannabis – eine Pflanze mit
vielen Facetten. Vwb
v. Treeck B (2000) Das große Cannabislexikon. Alles über Hanf als
Kulturpflanze und Droge. Schwarzkopf und Schwarzkopf
Grotenhermen F (2004) Hanf als Medizin. At-Verlag