Im
Folgenden werden Verbreitung, Gebrauch, Wirkung/en und Gefahren von
Designerdrogen beschrieben.
Als
Designerdrogen bezeichnet man psychotrope, also auf die Psyche einwirkende
Substanzen aus der Gruppe der Amphetaminderivate. Chemische Bezeichnungen
dieser Stoffe sind z.B. MDMA, MDEA, MDA oder MBDB, wobei Mischungen dieser
und anderer Substanzen unter dem Gebrauchsnamen Ecstasy bekannt sind.
Mit
dem Begriff Derivat ist ein chemisch hergestellter Abkömmling der - seit
Ende des 19. Jahrhunderts bekannten - Grundsubstanz Amphetamin (Speed genannt) gemeint. Es handelt sich um synthetische, also künstlich
produzierte Stoffe, die größtenteils in privaten Labors hergestellt
werden. Bei der Herstellung können bestimmte Wirkungen stärker als
andere herausgearbeitet werden, z.B. die stärker halluzinogene Wirkung in
den chemischen Stoffen DOB und DOM oder die potentere Wirkung des
Methamphetamins MAM, das als Crystal
bezeichnet wird.
Durch
die überwiegend private Herstellung in schlecht ausgestatteten Labors
sind Designerdrogen einerseits leicht zu beschaffen, andererseits
unterliegt ihre Zusammensetzung und Qualität erheblichen Schwankungen.
Verunreinigungen, Beimischungen oder Streckmittel sind - wie die genaue
Dosis - für den Konsumenten äußerlich nicht erkennbar. Über 200
verschiedene Endprodukte wurden bereits in beschlagnahmten Drogen
festgestellt.
War
der Konsum von Drogen zu früheren Zeiten Aussteigern oder Künstlern
vorbehalten, so sind es heute Jugendliche und junge Erwachsene im Alter
von 12 bis 25 Jahren, die mit diesen Drogen ihren nächtlichen Spaß und
Erlebnishunger steigern (wollen). 1997 gaben bereits 5% der
bundesdeutschen Jugendlichen an, schon einmal Ecstasy probiert zu haben.
Die Mehrzahl der Konsumenten betreibt Mischkonsum, wobei Cannabis und
Kokain unter den illegalen Substanzen neben Alkohol als Zusatzdrogen
bevorzugt werden.
Zwar
dominiert unter den jungen Erwachsenen laut der Drogenbeauftragten der
Bundesregierung ein relativ seltener Konsum (bei 60% im Westen und 75% im
Osten bestand 1999 ein höchstens 5-maliger Konsum insgesamt), während
exzessive Gebrauchsmuster deutlich seltener auftreten. Dennoch ist mit
einem Anstieg der Konsumerfahrung unter den 18- bis 24-jährigen von 3,3%
im Jahr 2000 auf 5,4% im Jahr 2003 (West) insgesamt von einem erheblichen
Umfang des Konsums auszugehen. In Ostdeutschland ist der Anstieg auf 9,7%
in dieser Altersgruppe noch beachtlicher. Schätzungen gehen davon aus,
dass 50 bis 70% der Besucher/innen von Technopartys Designerdrogen
konsumieren, womit der Konsum dort als normal anzusehen ist. Anlass zur
Sorge besteht allemal, denn die Gefahren beim Konsum dieser Drogen sind
beträchtlich. Vor den Gefahren sollen jedoch zunächst Konsumform/en und
Wirkung/en betrachtet werden.
Während
Ecstasy überwiegend in Pillenform eingenommen wird, werden Speed und
Crystal eher als weißes Pulver geschnupft oder geschluckt. Prinzipiell können
Designerdrogen aber auch geraucht oder gespritzt werden. Für eine
Ecstasypille zahlt man bei einer Wirkungsdauer von 3 bis 5 Stunden 5,- bis
8,- Euro und für 1 Gramm Speed (Wirkungsdauer ca. 1 bis 2 Stunden bei
nasalem und 2 bis 4 Stunden bei oralem Konsum) zwischen 10,- und 30,-
Euro, wobei eine „mäßige“ Dosierung mit 50 mg reinem Amphetamin pro
Tag angeben wird. Die Wirksamkeit von Crystal wird sogar mit bis zu 30
Stunden und länger angeben, hier beträgt der Preis 10,- bis 25,- Euro je
Gramm und die Tageshöchstdosis wird mit ca. 30 mg angegeben. Insgesamt können
diese Drogen also als preisgünstig bezeichnet werden (Die Preisangaben
beziehen sich auf die Stadt Berlin, Stand 2003).
Amphetamin
(Speed) ist in seiner Wirkung dem körpereigenen Adrenalin sehr ähnlich
und wird als Aufputschmittel missbraucht, da der Konsum zu einer
kurzfristigen Leistungssteigerung und/oder euphorischen Wirkung führt.
Dies geschieht dadurch, dass natürliche Schutzmechanismen des Körpers
aufgehoben werden und körpereigene Botenstoffe manipuliert bzw. in den
Kreislauf ausgeschüttet werden. Hunger, Durst, Müdigkeit und Erschöpfung
werden nach dem Konsum nicht mehr eindeutig erkannt, weshalb es auch als
Appetitzügler eingesetzt wird. Es vermittelt Unbeschwertheit und steigert
das Selbstvertrauen.
Die
(Haupt-)Wirkung von Ecstasy dagegen bzw. der Hauptinhaltsstoffe MDMA und
MBDB ist stimmungsaufhellend und gefühlverstärkend; Ängste und
Hemmungen werden abgebaut. Ecstasy vermittelt ein Gefühl der
Selbstakzeptanz und „Nestwärme“, der Geborgenheit und des Einfühlens
in andere Menschen und es erhöht die Kommunikations- und
Kontaktfreudigkeit. Die antriebssteigernde Wirkung - ähnlich dem
Amphetamin - ist zwar vorhanden, doch weniger stark, ebenso ist die
halluzinogene Wirkung eher schwach ausgeprägt.
Betrachtet
man die Gefahren, die mit dem Konsum dieser Drogen verbunden sind, so kann
man zunächst zwischen akuten Gefahren und Spätfolgen unterscheiden. Eine
akute Gefahr besteht z.B. in der gesteigerten Aktivität und dem
gleichzeitig verloren gegangen Gespür für körperliche Signale. Mangelt
es dem Körper bei fehlendem Durst an ausreichender Flüssigkeitszufuhr,
so kann es infolge Dehydration zum Kreislaufkollaps kommen. Ähnlich verhält
es sich mit dem Bedürfnis nach Schlaf. Da Konsumenten von Designerdrogen
ihre eigene Müdigkeit kaum spüren und über normale körperliche Grenzen
weit hinausgehen, wird der Schlafrhythmus durcheinander gebracht, was in
der Folge zu sehr langen Schlafphasen oder auch Schlaflosigkeit führen
kann. Hinzu kommen Konzentrationsschwäche, Appetitlosigkeit, depressive
Verstimmung und völlige Erschöpfung nach Abklingen der Wirkung z.B. nach
durchgefeierten Wochenenden (Ecstasy-Kater).
Im
Rausch besteht wiederum eine erhöhte Gefahr, in Verkehrs- und andere Unfälle
verwickelt zu werden. Das Missverhältnis zwischen (subjektiv)
gesteigerter körperlicher und eingeschränkter psychischer Leistungsfähigkeit
beeinträchtigt vorübergehend die Fähigkeit zu verantwortlichen
Entscheidungen. Es besteht die Gefahr leichtsinnigen Verhaltens.
Insbesondere beim Amphetaminkonsum, bei dem u. a. erweiterte lichtstarre
Pupillen zu beobachten sind, stellt die Überschätzung der eigenen körperlichen
Leistungsfähigkeit ein hohes Risiko dar.
Schließlich
besteht aufgrund der dubiosen Herkunft von Designerdrogen stets die Gefahr
der Überdosierung. Streckmittel (z.B. LSD) und sonstige Zusätze können
Vergiftungen verursachen, und es ist - insbesondere beim zu beobachtenden
experimentierenden Konsum - mit unkalkulierbaren Wechselwirkungen mit
anderen Drogen zu rechnen. Realistischerweise ist davon auszugehen, dass
die Todesursache als Folge der Einnahme dieser Drogen häufig nicht
erkannt wird (Dunkelziffer), z.B. bei Herzstillstand oder Autounfall. Spätfolgen
sind in Zusammenhang mit psychischen und sozialen Problemen zu sehen (z.B.
depressive Zustände, Selbstmordgedanken, Halluzinationen, Psychose,
Angstzustände sowie sozialer Rückzug, Ärger mit Eltern und Freunden,
Leistungsabfall). Bleibende Schädigungen waren lange Zeit umstritten,
doch kommen neuere Studien zu dem Schluss, dass der chronische Konsum von
Ecstasy zu dauerhaften Veränderungen im Gehirn führen kann. Besonders
gefährdet sind Menschen mit bereits bestehenden Krankheiten (z.B.
Herzrhythmus- oder Leberfunktionsstörungen, Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion,
Bluthochdruck).
Aufgrund
des mancherorts selbstverständlich erscheinenden Konsums von
Designerdrogen ist vielen jugendlichen Konsumenten nicht bewusst, dass
diese Substanzen rechtlich unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG)
fallen. Das heißt, sie sind illegal und rezeptpflichtig. Herstellung,
Verkauf, Erwerb und Besitz (nicht der Konsum) müssen strafrechtlich (§29
BtMG) verfolgt werden, auch wenn Polizei und Staatsanwaltschaft das BtMG
je nach Bundesland sehr unterschiedlich durchsetzen. Wer unter dem
Einfluss von Designerdrogen am Straßenverkehr teilnimmt, handelt
ordnungswidrig und riskiert neben dem Bußgeld und Fahrverbot sowie dem
Eintrag ins Verkehrszentralregister in Flensburg die Überprüfung seiner
Fahreignung durch eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU).
Nicht
zuletzt sollte die Gefahr der (psychischen) Abhängigkeit von diesen
Substanzen nicht unterschätzt werden. Gemeint ist ein starkes, gieriges
Verlangen nach diesen Drogen, eine Art Wiederholungszwang auch im
Bewusstsein der schädlichen Folgen. Hierzu zählt auch die Aufgabe oder
Vernachlässigung anderer wichtiger Vergnügen und Interessen sowie die
verminderte Kontrolle über Konsumdauer und -menge (z.B. mehr von der
Substanz oder über einen längeren Zeitraum konsumiert als geplant).
Solche Erscheinungen sind, wenn sie über einen längeren Zeitraum (> 4
Wochen) bestehen, deutliche Kennzeichen eines Suchtverhaltens. Sehr
lebensnahe Schilderungen finden sich auf den zahlreichen Internetseiten zu
diesem Thema. Der folgende kurze Ausschnitt stammt von den Seiten des
Suchtzentrums Leipzig e.V.
(http://www.drugscouts.de)
und soll die Schwierigkeit des Entzugs und die bestehende Rückfallgefahr
veranschaulichen:
„Vor
ungefähr einem Monat fasste ich den Entschluss, damit aufzuhören, und
zwar endgültig. Dachte mir, das wird ja wohl auch nicht so schwer sein...
Ich hielt meinem eigenen... Willen ganze 2 Wochen stand. In diesen 2
Wochen ohne C (gemeint: Crystal) erlebte ich die Hölle... nächtelang
heulte... ich und suchte vergebens nach einem Sinn in meinem Leben... Ich
fühlte mich unendlich leer... Ich hasste mich selbst, hasste die Welt,
war aggressiv wie niemals zuvor... war... bereit, aus dem Fenster zu
springen... versuchte, mich mit Unmengen von Haschisch... zu betäuben, um
einfach nur schlafen zu können... Als ich die Wahl zwischen dem schnellen
Tod und ‘ner Nase C hatte, entschied ich mich für C und bin seitdem...
wieder voll dabei!“
Internetseiten
wie diese sind sehr gut auf die jugendliche Zielgruppe der (Designer-)Drogenkonsumenten
zugeschnitten und informieren umfänglich. Politisch herrscht auch
europaweit Einigkeit über die Bedeutung gezielter Informationsstrategien
als Maßnahme primärer Prävention. So überrascht es nicht, dass
zahlreiche leitfadenartige Anleitungen zum risikomindernden Drogenkonsum
verfügbar sind (z.B. www.eve-rave.net/abfahrer/download/eve-rave/bericht108.pdf).
Neben anderen Maßnahmen, die an dieser Stelle nicht diskutiert werden können,
stehen Pillentests (Drug-checking) im Sinne einer Schadensminimierung zur
Diskussion. Auf Veranstaltungen durchgeführte chemische Analysen von
Pillen habe zum Ziel, den Konsumenten Aufschluss über die genauen
Inhaltsstoffe zu geben.
Der
mit diesen Maßnahmen in Verbindung stehende selbstbestimmte Drogenkonsum
sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es trotz aller
Information und Risikominimierung bei den Konsumenten zu einem Verlust der
Kontrolle über diese Drogen kommen kann und die derzeit verfügbaren
Therapieangebote (noch) wenig vielfältig sind. Das heißt, neben den
bereits genannten Risiken entsteht im Falle einer Abhängigkeit die
Situation, dass noch keine langfristig erprobten Therapieprogramme und nur
begrenzt kompetente Ansprechpartner z.B. in Beratungsstellen zur Verfügung
stehen - ganz im Gegensatz zur klassischen Suchtkrankenhilfe. Von
therapeutischer Seite sind unter anderem besondere Kenntnisse über die
soziale Herkunft und den Lebensstil der Konsumenten (z.B. Rituale und
Werte der Technoszene) nötig. Insgesamt besteht aber Anlass zur Annahme,
dass in den nächsten Jahren Fortschritte auf diesem Gebiet verzeichnet
werden.
Vertiefende und weiterführende
Literatur
Schmidbauer
W, vom Scheidt J (2004). Handbuch der Rauschdrogen. Fischer
Täschner
KL (2001) Harte Drogen – weiche Drogen? TRIAS
Informationen
im Internet
Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung. Broschüre Nr. 8: Die
Sucht und ihre Stoffe - Amphetamine
Suchtzentrum
Leipzig e.V.
Verein
für Drogenpolitik e.V.
26
Fragen und Antworten zu Ecstasy und Drug-checking - Antworten der
Drogenbeauftragten der Bundesregierung