Hypnose ist historisch gesehen eine der ältesten
Techniken der Psychotherapie, aus der etliche Therapieformen, wie z.B. die
Psychoanalyse, und psychotherapeutische Techniken, wie z.B. das autogene
Training, hervorgegangen sind. Durch sensationelle Medienberichte und
Showhypnosen ist die klinische Hypnose zu Unrecht in Verruf geraten. Von
daher haben viele Patienten überhöhte, unrealistische oder mystische
Erwartungen, aber auch Berührungsängste mit der Hypnose. Um diese
Vorurteile abzubauen, sollte der Patient Informationen zu einigen Fragen
im Vorfeld einer Hypnosebehandlung einholen: Was ist Hypnose eigentlich?
Ist Hypnose gefährlich? Was passiert während einer Trance? Wie wirksam
ist Hypnose?
Was ist
klinische Hypnose?
Der
Begriff Hypnose wird sehr vielfältig benutzt. Hier soll Hypnose als ein
psychotherapeutisches Behandlungsverfahren bzw. als Behandlungstechnik
erklärt werden. Deswegen ist es besser von klinischer Hypnose oder
Hypnotherapie zu sprechen.
Die
klinische Hypnose hat nichts mit den mystischen Vorstellungen zu tun, die
mit der Showhypnose in Zusammenhang gebracht werden. Es handelt sich bei
ihr um ein spezifisches Behandlungsverfahren, bei dem mittels bestimmter
suggestiver Methoden beim Patienten ein veränderter, nach innen
gerichteter mentaler Bewusstseinszustand herbeigeführt wird. Diesen
Zustand nennt man auch Trance. Während der Trance werden durch besondere
Formen der suggestiven Kommunikation therapeutische Wirkungen in
verschiedenen Symptombereichen angestrebt. Die Hypnotherapie ist
problemorientiert. Mit ihren Techniken sollen die vorhandenen mentalen Fähigkeiten
verfügbar gemacht werden, um eine Problemlösung zu erreichen.
In
der klinischen Praxis wird die Hypnose meistens in Kombination mit anderen
Psychotherapieformen (z.B. Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Gesprächspsychotherapie)
angewendet, selten als alleiniges Verfahren.
Ist
Hypnose gefährlich?
Wegen spektakulärer Sensationsberichte der Medien und Showhypnosen genießt
die Hypnose einen zweifelhaften Ruf in der Öffentlichkeit, der sehr
unrealistische, übersteigerte Erwartungen an die Wirkungen der Hypnose
weckt. Viele Laien glauben beispielsweise, dass der Hypnotiseur Befehle
suggerieren kann, die der Hypnotisierte willenlos ausführen muss und im
Wachzustand nicht mehr erinnern kann. Tatsächlich jedoch hat der
Hypnotisierte auch während der Trance Einsicht in sein Verhalten, nimmt
selbst Einfluss auf das Geschehen und kann sich in der Regel an die Vorgänge
während der Trance erinnern.
Es gibt keine hinreichenden Hinweise darauf, welche die Meinung bestätigen
würden, dass die Anwendung der klinischen Hypnose besondere Gefahren für
den Patienten mit sich bringt. Am ehesten ist davon auszugehen, dass
Hypnose nicht mehr oder weniger Risiken birgt, wie andere Therapieformen
auch. Der Patient sollte sich allerdings über die fachlichen Kompetenzen
und die Zusatzausbildung des Therapeuten informieren, wenn er diese
Behandlungsform in Betracht zieht. Hypnoseanwendungen sollten nur nach
Konsultation eines entsprechend qualifizieren Arzt oder Diplom-Psychologen
erfolgen, der ein diagnostisches Urteil abgeben und mögliche Risiken abwägen
kann. Bei einigen Erkrankungen, insbesondere den Psychosen, kann eine
Hypnosebehandlung schädlich wirken. Doch auch bei Menschen, die zu einer
äußerst passiven Haltung neigen und ein schnell wirksames Mittel in der
Hypnose sehen, ist besondere Vorsicht geboten.
Was
passiert während einer hypnotischen Trance beim Patienten?
Es gibt große Unterschiede in den Reaktionen der Patienten. Deswegen können
die Reaktionen während einer Trance nur sehr allgemein beschrieben
werden. Der Zustand von Trance gleicht am ehesten einem entspannten
Wachzustand, in dem bestimmte Probleme bzw. Symptome, die mit rationalen
Mitteln bisher nicht gelöst werden konnten, verändert werden können.
Die körperlichen und gedanklichen Reaktionen stellen sich um: Blutdruck,
Herz- und Atemfrequenz und Muskeltonus reduzieren sich. Das kritische
rationale Denken tritt in den Hintergrund, während eine erhöhte
bildhafte Vorstellungsfähigkeit mit stärker assoziativem Denken in den
Vordergrund rückt. Meistens erhöht sich auch die Erinnerungsfähigkeit.
Des weiteren ändert sich das Zeiterleben.
Ist
Hypnose wirksam?
Hypnose ist nach den bisherigen Erfahrungen in sehr vielen
Anwendungsbereichen als wirksam anzusehen. In wissenschaftlichen
Untersuchungen konnte eine gute Wirksamkeit festgestellt werden, die
insbesondere für Schmerzen, Schlafstörungen und verschiedene
psychosomatische Störungen auch dauerhaft nachgewiesen werden konnten.
Bei Alkoholismus, Heroinabhängigkeit und Bluthochdruck scheint Hypnose
weniger erfolgreich zu sein. Günstige Effekte hängen nach dem bisherigen
Erkenntnisstand vor allem von der Tiefe des Trancezustandes und des
Vertrauen des Klienten in die Hypnosebehandlung ab.
Vertiefende
und weiterführende Literatur:
Erickson
MH, Rossi EL (2001) Hypnotherapie - Aufbau, Beispiele,
Forschungen. Klett-Cotta
Kossak
HC (1997) Lehrbuch Hypnose. Beltz
LeCron
LM (2000) Selbsthypnose - Ihre Technik und Anwendung im täglichen
Leben. Goldmann
Rekkas
AK (2001) Klinische Hypnose und Hypnotherapie. Praxisbezogenes
Lehrbuch für die Ausbildung. Klett-Cotta
Scholz
WU (1994) Hypnose und Hypnotherapie. PAL