Midlifecrisis und Wechseljahre – für viele Menschen beiderlei Geschlechts
wirken diese Worte jenseits des 40. Lebensjahrs vor allem in unserem
Kulturkreis wie eine Bedrohung. Im Grunde ist das kein Wunder, sorgt doch
die mediale Präsenz dafür, dass körperliches und emotionales Altern
gewinnbringend als Unattraktivität bekämpft oder zumindest kritisch
betrachtet werden muss. Denn der allgemeine Marktwert, ob nun als
Arbeitskraft oder als potentieller Partner, startet zu diesem Zeitpunkt –
glaubt man den Medien – seinen Sinkflug. Es scheint ein emotionales und
biologisches Damoklesschwert zu sein, das über der Lebensmitte zu schwingen
beginnt. Frau und Mann nehmen aus unterschiedlichen Gründen die eher
berüchtigte Midlifecrisis sehr bewusst wahr. Ein Teil von ihnen gerät in
eine nahezu existentielle Krise, in der das bisherige Leben grundsätzlich in
Frage gestellt wird. Der andere Teil der ebenso alternden Menschen schaut
diesem Phänomen erstaunt zu, zählt dabei schmunzelnd graue Haare und
Lachfalten und erfreut sich an der Zunahme von Gewicht, Gelassenheit und
Lebenserfahrung. Obwohl auch sie sich ab und an daran erinnert fühlen, dass
ihr Körper nicht mehr ganz so hurtig oder ausdauernd gehorcht, wie es sich
der eigene Kopf wünscht. Und vielleicht spüren sie ebenso gelegentlich
Kopfschmerzen oder eine Hitzewallung, schlafen nicht richtig und sind
gereizt. Dann nämlich beginnen auch nach ihnen die ersten Ausläufer der
Wechseljahre zu greifen – ob nun mit oder ohne Midlifecrisis.
Denn:
Kommen wir nicht in die Midlifecrisis, so doch auf jeden Fall in die
Wechseljahre. Der Begriff ‚Midlifecrisis’ beinhaltet eher die seelischen
Auswirkungen, die im Zusammenhang mit Ängsten und Befürchtungen hinsichtlich
des Älterwerdens stehen, während die Wechseljahre die Auswirkungen der
biologischen und körperlichen Veränderungen mit zunehmendem Alter
kennzeichnen.
Dank
der Medienpräsenz dieses Begriffes wissen wir inzwischen, dass nicht nur
Frauen in die Wechseljahre und zu ihrer Menopause gelangen, sondern dass
gleichfalls Männer vom männlichen Klimakterium heimgesucht werden.
Die
Grenzen zwischen den seelischen und den biologisch bedingten Veränderungen
sind fließend und verlaufen sehr individuell. Es scheint wenig sinnvoll, die
Midlifecrisis mit einem konkreten Lebensalter in Zusammenhang zu bringen –
obwohl der 40. oder 50. Geburtstag häufig zum Nachdenken einlädt – denn so
verschieden, wie wir Menschen sind, so unterschiedlich sind unsere
Lebensgeschichten und unsere körperliche Verfassung, und so unterschiedlich
ist das Umgehen mit der Midlifecrisis.
Die
weiblichen Wechseljahre – Menopause
Der
Beginn der Menopause ist zu 85% in den Genen festgelegt. Ein Blick auf die
weiblichen Vorfahren der Familie könnte somit Auskunft über den ungefähren
Zeitpunkt geben, wann das letzte Stündchen der persönlichen biologischen Uhr
schlagen könnte. Während jede dritte Frau diese so genannten Wechseljahre
Symptom los übersteht, spüren viele leichte Unbefindlichkeiten. Einige
Frauen werden allerdings auch regelrecht krank. Die Liste aller möglichen
Beschwerden ist lang, mit denen Frau in den Wechseljahren rechnen kann, da
hormonelle Veränderungen eine Reihe spürbarer Beschwerden auslösen. Die
Verringerung des weiblichen Sexualhormons Östrogen führt zu
Zyklusschwankungen, Hitzewallungen, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Herzklopfen.
Es kommt zu Beeinträchtigungen von Blase und Scheide. Die Haut wird
faltiger, Haare beginnen verstärkt an unliebsamen Stellen wie der Oberlippe
oder an den Beinen zu sprießen. Hinzu kommen psychische Beeinträchtigungen
wie zunehmende Vergesslichkeit, Reizbarkeit und Nervosität. Andere leiden
unter depressiven Verstimmungen und verlieren ihr vormals vorhandenes
sexuelles Interesse.
Die
männlichen Wechseljahre – männliches Klimakterium
Nahm
man früher an, dass das Klimakterium – die Wechseljahre – ausschließlich ein
Privileg der Frauen ist, so wurde bereits 1939 die These aufgestellt, dass
der Mann Ähnliches durchmachen müsse wie Frau. Fakt ist, dass sich auch beim
Mann hormonelle Veränderungen vollziehen. Es sinkt die Produktion des
männlichen Sexualhormon Testosteron, wenn auch nicht so schnell wie das
Östrogen bei den Frauen. Was die nahezu lebenslängliche Zeugungsfähigkeit
bei Männern beweist. Doch was geschieht beim Mann, dessen Wechseljahre
zunehmend in den Blick der Medien geraten? Der Blick in den Spiegel oder in
das Gesicht Gleichaltriger offeriert die Zunahme an körperlichen
Veränderungen. Mann fühlt sich zwar häufig vital und noch völlig fit und
doch zeichnen die ersten Falten das Gesicht. Graue Haare werden beobachtet
und/oder bekämpft. Viele Männer beginnen sich zunehmend mit zäh haftenden
Kilos zu plagen. Die typisch männlichen Symptome der Wechseljahre ähneln
denen der Frauen: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen,
Bauchansatz, Haarausfall. Depressive Verstimmungen, sexuelle und allgemeine
Unlust können genauso dazu gehören wie Schwächezustände.
Midlifecrisis
Dass wir unaufhaltsam älter werden, ist und bleibt wahrscheinlich noch lange
ein wissenschaftlich unumstößlicher Fakt. Mitte 40 beginnt für beide
Geschlechter unabdingbar der erlebte und allgemein sichtbare
Alterungsprozess, der sich auf o.g. biologischer Weise auswirkt. Unser
gesamtes Leben ist von Entwicklungsphasen gekennzeichnet: der Übergang von
der Kindheit zur Jugend, später in das Erwachsenensein, dem das Alter folgt.
In den Übergängen zwischen den einzelnen Phasen sind wir besonders
sensibilisiert und für Veränderungen empfänglich. Erinnert sei an die
emotionalen Wallungen der Pubertät. Viele Menschen nutzen den sensiblen
Lebensabschnitt zwischen Jugend und Alter, um Resümee zu ziehen, bestehende
Beziehungen, Gewohnheiten und Verpflichtungen neu auszuloten und dem
bisherigen Leben gegebenenfalls eine neue Richtung zu geben. In der Mitte
des Lebens ändert sich in vielen Beziehungen grundsätzlich das
Familienleben, wenn z.B. die Kinder das Haus verlassen und eigene Wege
gehen. Manche Paare haben sich im Laufe der Jahre hinter ihrer Rolle als
Eltern derart entfremdet, dass die Partnerschaft in den Wechseljahren auf
eine harte Probe gestellt wird. Erziehungsbedingte Aufmerksamkeit,
Verantwortung und Zuwendung brauchen neue Bahnen. Die Partnerschaft erhält
einen neu auszuhandelnden Stellenwert, da die entstandenen Freiräume in der
bisherigen Rolle als Mutter oder Vater mit anderen Inhalten gefüllt werden
müssen. Wie in vielen zwischenmenschlichen Konfliktsituationen bleibt das
gemeinsame Gespräch der Königsweg, um derartige Krisen zur Chance werden zu
lassen. Ist bei beiden Partnern die Bereitschaft vorhanden, bestehende
Wünsche und Bedürfnisse offen und ehrlich auszusprechen, können lang
verschüttete Gemeinsamkeiten wieder entdeckt, neue überlegt und ausprobiert
werden.
Das Besondere dieser Phase ist, dass man/frau und Partnerschaften –
inzwischen alt genug – auf zahlreiche Erfahrungen zurückblicken. Ältere
besitzen etwas, was der Jugend fehlt: Lebensklugheit. Diese Lebensklugheit
gestattet es, Menschen, Dinge, Situationen und Gefühle differenzierter und
besonnener wahrzunehmen und zu bewerten. Ein Übervierzigjähriger weis um die
Unwägbarkeit des Lebens und hat gelernt, Alternativen zu entwickeln und
gegebenenfalls auf Umwegen ans erwünschte Ziel zu gelangen. Der gesammelte
Erfahrungsschatz erleichtert die Trennung in unwichtig und wichtig und lässt
dadurch die Tragweite von Entscheidungen überschaubarer werden als in jungen
Jahren. Dazu gesellt sich eine größere emotionale Stabilität – auch wenn
hormonell bedingte Kapriolen bisweilen anderes vermuten lassen. Obwohl die
biologische Jugend endgültig vorbei ist – und damit auch etwa die Hälfte des
Lebens - ist man immer noch jung genug, um aus diesem Erfahrungsschatz
schöpfen zu können. Unabhängig davon, ob Frau oder Mann als Single oder in
Partnerschaft leben, befinden sich eigene Jugendträume in der Mitte des
Lebens entweder auf dem Weg zur Erfüllung, oder es stellt sich die Frage,
wie realistisch ihre Verwirklichung noch sein mag. Wozu langen noch Zeit,
Kraft und Energie?
Veränderungen sind stets mit Anstrengungen verbunden – aber ebenso mit der
Chance, positiven Erfahrungen sammeln zu können. Sich selbst und den Partner
neu zu erfahren und kennen zu lernen, mag dabei der größte Anreiz sein.
Vertiefende und weiterführende Literatur:
von Ramin M (2005) Mein letzter Tampon. Eichborn Verlag
Kleine-Gunk B (2002) Attraktiv und fit durch die Wechseljahre. Trias
Wartenweiler D (1998) Männer in den besten Jahren. Kösel