An
manchen Tagen kommt man einfach nicht aus dem Knick. Kleinigkeiten scheinen
nicht zu gelingen, große Projekte stocken, nichts klappt auf Anhieb.
Müdigkeit und Frust machen sich breit. „Pechsträhne“ lautet im Alltag häufig
die Diagnose. Es gibt kaum einen Menschen, der solche Zeiten noch nie erlebt
hätte. Aber wie kommt es immer wieder zu diesen Perioden der Mut- und
Kraftlosigkeit? Und was kann man dagegen unternehmen?
Unsere Stimmung entsteht im komplizierten Zusammenspiel chemischer
Botenstoffe. Bei großen und kleinen Erfolgen wird an bestimmten Stellen des
Gehirns Botenstoff Serotonin freigesetzt, subjektiv erleben wir das als
Freude und Euphorie. Geraten wir dagegen unter Stress, sorgen Adrenalin und
Noradrenalin für Unruhe und Anspannung. Entsprechende Signale werden über
das periphere Nervensystem an alle Organe geschickt. Der ganze Körper gerät
in einen Aktivierungszustand – beste Voraussetzung, um die belastende
Situation zu verändern.
So
weit ist alles nachvollziehbar, nur gibt es eine Menge Faktoren, welche die
Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen. Schlafmangel, Dauerstress, hormonelle
Schwankungen, Mangel an Bewegung oder extreme Eintönigkeit sorgen häufig
dafür, dass das Zusammenspiel der Botenstoffe durcheinander gerät. Häufig
kündigen sich auf diese Weise bevorstehende Krankheiten an. Der Betroffene
merkt noch keine Symptome, das Immunsystem gibt aber schon das erste
Warnzeichen an das Gehirn ab: Keine übertriebenen Aktivitäten mehr, wir
haben ein Problem und brauchen Ruhe.
Und
schon fühlen wir uns ohne einen erkennbaren Grund müde, angespannt oder
merkwürdig schlecht gelaunt. Menschen, die genaue Selbstbeobachtung gewohnt
sind, erkennen darin eine Botschaft des eigenen Körpers. Die meisten von uns
gehen jedoch unbewusst einen anderen Weg: Lieber suchen sie nach den
Ursachen für die eigene schlechte Laune in der Außenwelt. Nun fallen eigene
Missgeschicke und Fehler der Mitmenschen besonders stark ins Gewicht. Durch
die Müdigkeit und negative innere Einstellung passieren diese auch besonders
häufig. Erfolge und Glücksfälle werden dagegen übersehen oder in ihrer
Bedeutung herabgesetzt. Es ist so, als würde man sich in einem inneren
Monolog immer wieder die negativen Seiten der Situation vor Augen halten.
Es
ist auffällig, wie oft die Betroffenen über negative Erwartungen berichten
„Ich wusste von Anfang an, dass das nichts wird“, „Es war klar, dass wir den
Zug verpassen“, „Pass mal auf, es wird alles schief gehen!“. Innere
Anspannung, die im aktuellen Moment keine Erklärung findet, wird in die
Zukunft projiziert. So sorgt man für sich selbst erfüllende Prophezeiungen.
Auch
die Aktivitäten passen sich der inneren Stimmung an. Angenehme Sachen werden
auf bessere Zeiten verschoben. Müdigkeit und innere Unruhe sorgen dafür,
dass kein Interesse dafür da ist. Im Gegenzug wird häufig mehr gearbeitet –
die Befürchtung, es könnte bald etwas schief gehen, verlangt nach mehr
Kontrolle in allen Lebensbereichen. Auch diese Veränderung führt dazu, dass
die innere Anspannung weiter steigt.
Alle
drei Faktoren, die unser Wohlbefinden entscheidend beeinflussen, unser
Körper, unser Denken und unsere Aktivitäten, ziehen in eine Richtung und
bewirken eine Verschlimmerung der Situation.
Hat
man überhaupt eine Chance gegen eine derartige Krise oder bleibt nur, wie es
manchmal geraten wird, das Ende der Pechsträhne abzuwarten?
Der
erste Lösungsschritt wäre, das Problem überhaupt zu erkennen. Dies ist nicht
einfach, weil viele Prozesse unbewusst ablaufen. Ein Stimmungstagebuch kann
helfen, sich Klarheit über die Situation zu verschaffen. Die Tagesstimmung
wird im 5-Punkte-System beurteilt. 1 ist sehr schlecht, 5 – sehr gut, 3 –
eher neutral, schwankend, keine erkennbare Tendenz. Nun gilt es abends die
Stimmung an verschiedenen Abschnitten des Tages zu beurteilen und sich zu
überlegen, welche objektiven Ereignisse dafür verantwortlich sein könnten.
Arbeitet man länger mit einem Stimmungstagebuch, werden bestimmte Muster
erkennbar. Bei vielen Menschen kommen Episoden schlechter Laune immer
wieder, als würden sie einen bestimmten Zyklus durchlaufen. Bei einigen
werden sie durch Zeiten besonders guter, fast euphorischer Stimmung
abgelöst. Über diese wird zwar selten geklagt, aber auch diese Eigenart des
eigenen Charakters kann für unangenehme Überraschungen sorgen.
Stimmungstiefs können als Reaktion auf bestimmte Wetterlagen oder die
mangelnde körperliche Aktivität auftreten. Manchmal merkt man erst im Rahmen
dieser Analyse, dass bestimmte Lebensereignisse, Aufgaben oder Menschen
immer wieder für ein Stimmungstief sorgen. Vielleicht belasten uns manche
Sachen viel mehr, als wir zugeben?
Haben
Sie das Gefühl, dass sich ein Stimmungstief in Ihrem Leben breit macht, dann
gilt es, bewusst Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Und zwar möglichst auf allen
drei Bereiche betreffend.
Körperliche Symptome bekommt man mit Hilfe von Entspannungstechniken am
besten in den Griff, aber auch viel Bewegung, frische Luft, Abwechslung, tun
hier häufig Wunder. Nehmen Sie doch einfach einen ungewohnten Weg von der
Arbeit nach Hause. Oder machen Sie einen Spaziergang in einer Gegend, die
Sie noch nicht kennen. Aber Vorsicht, das darf nicht in Stress ausarten!
Sind die Symptome sehr belastend oder dauern länger an, dann hat es Sinn,
mit einem Arzt darüber zu reden. Hinter ständiger Unruhe kann sich auch
Bluthochdruck verstecken, hinter Müdigkeit Schilddrüsen- oder
Kreislaufprobleme.
Gedanken: Achten Sie auf ihre inneren Monologe und Prognosen. Sind diese
noch realistisch oder picken Sie immer die schlimmste, wenn auch die
unwahrscheinlichste Variante heraus? Eine alltagspsychologische Weisheit
besagt, es wäre besser, immer das Schlimmste zu erwarten. So bleibt man
immer vorsichtig, häufig aber auch handlungsunfähig. Meinen Sie wirklich,
dass ängstliche Anspannung über Monate und Jahre der beste Zustand für Ihren
Körper ist? Wenn nicht, achten Sie noch einmal auf ihre Gedanken und sagen
Sie sich innerlich „Stopp“, wenn sie wieder mal dabei sind, sich die
negativen Perspektiven farbig auszumalen. Achten Sie auch darauf, wie Sie
sich eigene Misserfolge und negative Ereignisse erklären. Wenn globale
undifferenzierte Aussagen kommen wie „weil ich zu dumm dafür bin“, „weil
keiner arbeiten will“ und ähnliches, befinden Sie sich höchstwahrscheinlich
auf einem Holzpfad. Das weitere Gedankenkreisen führt nur dazu, dass Sie
sich unnötig aufspulen. Sagen Sie sich auch in dieser Situation lieber
„Stopp“, machen eine Atempause und überlegen sich im Nachhinein, unter
welchen Umständen das Ganze doch funktionieren könnte. Bleiben Sie dabei bei
konkreten Erklärungen.
Versuchen Sie bewusst auch auf positive Ereignisse zu achten. Falls Sie ein
Stimmungstagebuch führen, schreiben Sie die eigenen Erfolge und kleine
Glücksfälle auf, damit diese nicht unbewusst ausgefiltert und sofort
vergessen werden.
Eigene Aktivitäten: Auch hier lautet das Gebot, die Stress-Tendenz
abzubauen. Versuchen Sie nicht das eigene Unwohlsein dadurch zu bekämpfen,
dass Sie noch mehr arbeiten und alles noch besser kontrollieren. Aber auch
Rückzug und Verzicht auf jegliche Aktivitäten wäre in diesem Fall ein
Fehler. Die Erwartung, man würde sich ausruhen und Kräfte sammeln, wenn man
über ein paar Tage nur zuhause bleibt und jegliche Kontakte vermeidet,
bestätigt sich meistens nicht. Eher gewinnt man dadurch Zeit zum Grübeln.
Die Passivität im Doppelpack mit innerer Unruhe sorgen für Schlafprobleme.
Lustlosigkeit nimmt zu. Versuchen Sie lieber, ein gesundes Mittelmaß zu
finden. Planen Sie Ihre Zeit etwas großzügiger, so dass etwas mehr Pausen
möglich sind und verzichten Sie auf keinen Fall auf angenehme Aktivitäten,
auch wenn das ein Stückchen Überwindung kostet.
Die
Stimmungsschwankungen werden auf diese Weise nicht aufgehoben. Sie haben
aber weniger Chance zu einer dauerhaften Krise zu werden.
Vertiefende und weiterführende Literatur:
Ihle W, Herrle J (2003) Stimmungsprobleme bewältigen. DGVT Verlag
Tausch R (2005) Hilfen bei Stress und Belastung. Rowohlt
Wagner-Link A (2001) Verhaltenstraining zur Stressbewältigung.
Pfeiffer bei Klett-Cotta