Angst ist neben
Freude, Trauer oder Wut eines unserer zentralsten Gefühle. Angst dient
dazu, uns zu alarmieren, wenn wir etwas als für uns bedrohlich empfinden.
Sie hat somit eine (überlebens-) wichtige Schutzfunktion.
Angst zeigt sich in
der Regel auf 4 Ebenen:
Auf der Gefühlsebene gibt es Abstufungen in der Intensität der Angst von
Ängstlichkeit/Unsicherheit bis hin zur Panik. Auf der gedanklichen Ebene treten Angstgedanken auf wie z.B. „Ich versage
bestimmt. Das schaffe ich nicht. Jetzt wird es gleich ganz peinlich. Pass
auf! Jetzt muss ich aber aufpassen. Ich werde sterben. Es wird etwas
schlimmes passieren.“ Angst drückt sich aber auch körperlich
aus durch Zittern, Herzklopfen oder Herzrasen, Schwitzen, Schwindelgefühl
oder tiefe und schnelle Atmung. Durch die körperliche Reaktion wird der
Organismus in die Bereitschaft versetzt, blitzschnell reagieren, z.B.
fliehen oder angreifen zu können. Dies zeigt sich dann in unserem Verhalten, z.B. indem wir aus Angst etwas vermeiden zu tun oder
indem wir wegrennen.
Angst
wird dann zum Problem, wenn sie zu häufig auftritt oder zu lange anhält,
und uns in unserem Alltag, in unserer Lebensgestaltung behindert. Man kann
dann auch von einer Angsterkrankung sprechen. Diagnostisch werden
verschieden Angsterkrankungen unterschieden:
1.
Panikstörung
Hier leiden die
Betroffenen unter plötzlich auftretenden Panikattacken mit ausgeprägter
körperlicher Symptomatik (Herzrasen, Schwindel, Ohnmachtgefühle,
Schwitzen, u.a.) und Todesangst, z.B. Angst, an einem Herzinfarkt oder
Schlaganfall zu sterben. Es können auch Ängste auftreten, verrückt zu
werden oder die Kontrolle zu verlieren. In der Regel entwickelt sich eine
Angst vor diesen Attacken, d.h. eine Angst vor der Angst.
2.
Agoraphobie (Platzangst)
Hier treten massive
Ängste in bestimmten Situationen auf wie auf Plätzen, in Menschenmengen,
in öffentlichen Verkehrsmitteln, Aufzügen, d.h. in Situationen, wo es
schwierig oder peinlich sein könnte, zu fliehen, diese Situation aus
Angst vorzeitig zu verlassen. Die Angst kann sich auch auf Situationen
beziehen, wo keine Hilfe da ist, z.B. wenn man alleine spazieren geht. Häufig
tritt die Angst in Form von Panikattacken (siehe unter 1.) auf. Die Angst
ist oft so ausgeprägt, dass die gefürchteten Situationen mehr und mehr
vermeiden werden und sich der Lebensradius immer mehr einengt.
3.
Soziale Phobie
Menschen, die unter
einer sozialen Phobie leiden, fürchten sich vor negativer Bewertung durch
andere Menschen. Sie haben Angst vor Situationen, in denen sie im
Mittelpunkt stehen oder Aufmerksamkeit erregen könnten, z.B. Angst, vor
anderen zu sprechen, Angst, dass ihnen etwas Peinliches passieren könnte
z.B. Zittern oder etwas verschütten. Auch diese Angst ist von starker körperlicher
Symptomatik begleitet und die Betroffenen fürchten, dass andere ihre
Angst bemerken. Daher vermeiden auch sie oft angstauslösende Situationen
wie Feste, Verabredungen, gemeinsam mit anderen Essen, u.a.
4.
Spezifische Phobie
Hier beschränkt
sich die Angst auf einzelne Angstauslöser, z.B. massive Angst vor Spinnen
oder Höhenangst. Auch hier tritt häufig Vermeidung auf.
5.
Generalisierte Angst
Monatelang
andauernde Ängste, Befürchtungen und Sorgen über verschiedene
Lebensbereiche, z.B. Gesundheit, Finanzen oder Arbeit. Die Ängste werden
von den Betroffenen als übertrieben erlebt, können aber nicht abgestellt
werden. Damit einher geht körperliche Unruhe, Schlafstörungen sowie eine
Vielzahl körperlicher Symptome.
Im Hinblick auf die
Behandlung muss in einem ersten Schritt festgestellt werden, dass keine
organischen Ursachen (z.B. Herz-/Schilddrüsen-Krankheit, Medikamenten-/
Drogenmissbrauch) vorliegen, die natürlich einer eigenen Behandlung bedürfen.
In diagnostischen Gesprächen wird die genaue Art der Angststörung geklärt
und versucht, erste Zusammenhänge zwischen den auslösenden Situationen
und möglichen Hintergründen der Angst zu finden. Nach der genauen
Diagnosestellung und Einschätzung der Erkrankung kann dann eine psychotherapeutische
Behandlung (verhaltenstherapeutisch oder analytisch orientiert) empfohlen werden.
Eine medikamentöse
Behandlung ist heutzutage mit hochwirksamen Präparaten möglich, hat
jedoch den Nachteil, dass diese Medikamente zu einer Abhängigkeit führen
können. Im Einzelfall wird der Arzt/Therapeut mit dem Patienten eine
solche Möglichkeit besprechen.

Vertiefende
und weiterführende Literatur:
1.
Vom Sinn der
Angst. - Wie Ängste sich festsetzen und
wie sie sich verwandeln lassen. Verena Kast
2. Grundformen der
Angst.
3.
Wege aus der Angst. Schumacher/Hoffmann
4. Bewegungstherapie in der
Behandlung von Angststörungen.
Ingrid
Braunbarth. IPSIS, 2002